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Friedhof Sachsenberg

Der Friedhof wurde 1851 als Anstaltsfriedhof eingeweiht und bis 1959 genutzt. Hier sind Patienten und Mitarbeiter gleichermaßen beerdigt worden. 1873 und 1900 erfolgten wegen Überfüllung Erweiterungen des Friedhofgeländes.

1914 wurde die „Totenkapelle“ eingeweiht. Sie diente als Leichenhaus. Erst nach der Zerstörung des Kirchenraumes im Haupthaus durch russische Soldaten 1945 begann eine gottesdienstliche Nutzung der Kapelle. Sie wurde 1990 mit Geldern aus SED-Parteivermögen restauriert. Heutzutage finden hier 14-tägig evangelische Krankenhausgottesdienste und manchmal auch Konzerte statt.

Der Friedhof und die Anstalt unterstanden der evangelischen Schelfkirchengemeinde in Schwerin. In den landeskirchlichen Archiven finden sich in den Kirchen- büchern (lückenhafte) Verstorbenenverzeichnisse von 1830-1943, vollständige seit 1945. Im 1. Weltkrieg wurden hier erstmals auch Gefallene und im Lazarett verstorbene deutsche und ausländische Soldaten beerdigt. Sie bekamen einfache Holzkreuze, teils auch Grabsteine. Ein Granitkreuz zum Gedenken an die Kriegs- toten wurde 1918 errichtet. Es existieren Unterlagen, aus denen hervorgeht, dass 1926 fünf französische Soldaten exhumiert und nach Saarbourg/Frankreich überführt worden waren. Im 2. Weltkrieg kamen neue Soldatengräber hinzu (im Haupthaus befand sich damals ein Lazarett). Nach 1945 gab es die Anordnung, dass kein Soldatengrab eingeebnet werden dürfe. 1947 wurden 12 englische Soldaten auf den Zentralfriedhof Berlin umgebettet. Die russischen Soldaten erhielten einen Ehrenfriedhof am Obotritenring Schwerin gegenüber dem Alten Friedhof.

In einer Belegungsliste des Friedhofs von 1994, die auf dem Belegungsplan von 1950 basiert ( aus dem die enorme Ausdehnung des Friedhofs deutlich wird),werden 19 Soldaten (Sammelgrab) und 81 vermutlich zivile Ausländer (Russen, Ukrainer, Polen, zwei Franzosen, eine Ungarin, eine Tschechin), insgesamt 99 Personen, verstorben 1940-45, aufgeführt.

1960 wurden unter Außerachtlassung der gesetzlichen Ruhefristen und der o.g. Anordnung fast alle Gräber eingeebnet. Des ungeachtet gilt nach dem Gesetz dieser ganze Parkabschnitt noch heute als friedhofsgeschützt.

Heute existieren nur noch wenige gepflegte Gräber und einzelne erhaltene Grabsteine, unter anderem von berühmten Persönlichkeiten:

• das Familiengrab von Carl Friedrich Flemming, des ersten Direktors der Klinik (Dr.Flemming selbst wurde auf dem städtischen Friedhof beerdigt.)
• das Sammelgrab der Familie des Direktors Fischer (der 1945 mit seiner Familie Selbstmord beging)
• die Ruhestätte vom Dichter Rudolf Tarnow (heute Pilgerstätte der „Plattsnaker“)

Besondere Grabsteine wurden später flach gelegt, so die schön gearbeiteten und noch erhaltenen Grabsteine der preußischen Offiziere Hartwig Ludwig von Blücher, verst. 1861, Heinrich von Luckowitz, verst. 1862 und Johann Heinrich David Baumstedt (Bramstedt?), verst. 1865. Weitere bekannte Grabstätten: Christina Scheven (1773-1839), Dr. med. Richard Pfreimder (1886-1953) und der Schweriner Carl Hill, der zu seinen Lebzeiten ein gefeierter Wagnersänger in Bayreuth war, aber auf dem Sachsenberg verstarb.

Bedeutende Mitarbeiter der Nervenklinik wurden zumeist auf dem Alten Friedhof am Obotritenring beigesetzt:

• Dr. Carl Friedrich Flemming (Stelle aufgelassen und neu belegt)
• Dr. Felix Matusch, Direktor der Klinik bis 1923
• Dr. Horst Berthold, Ärztlicher Direktor ab 1959
• Johann Heinrich Basedow, erster Behindertenpädagoge am Lewenberg (Vorgängereinrichtung der heutigen Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie)

Der Friedhof ist heute in einem Zustand, der verbessert werden muß, obwohl das Gras des Öfteren von einem externen Betrieb gemäht wird. Er liegt mitten im Klinkgelände und wird oft von Besuchern auf Spaziergängern begangen (siehe Foto). Unser Verein will sich um eine langfristige Lösung zur Pflege der verbliebenen Gräber kümmern. Reste der Kriegsgräber sind noch erhalten sowie der Sockel des oben erwähnten Granitkreuzes von 1918. Zur Pflege dieses Areals werden dem Klinikbetreiber Gelder vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge bereitgestellt. Außerdem sehen wir als Verein die Möglichkeit, hierfür mit der Denkmalbehörde, der Naturschutzbehörde, der ARGE-GSV und den Dreescher Werkstätten zusammenzuarbeiten. / aus einem Vortrag von Dr. Jürgen Maier, 2.9.2010

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