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Landschaftspark Sachsenberg in Schwerin

Der seit etwa 1970 denkmalgeschützte Landschaftspark rings um das heutige Klinikgelände befindet sich auf der seit alters als Sachsenberg bezeichneten Feldflur der ehemaligen Domäne Groß Medewege. Der Name „Sachsenberg“ wurde seit 1962 für den Klinikbereich fallen gelassen, die Gemarkung Sachsenberg etwa 1995 der Gemarkung Lewenberg zugeordnet (heute Stadtteil Friedensberg).

Die Entstehung des Parkes ist nicht ohne den Klinikkomplex denkbar. Beide entstanden seit etwa 1827 parallel zueinander unter der Leitung des damals gerade 28jährigen nachmaligen Direktors Carl Friedrich Flemming, der seine landschaftsgestalterischen Anregungen vornehmlich aus England holte. Ein wesentlicher originärer Baumbestand wird hier nicht vorhanden gewesen sein, jedoch warf 1980 ein Sturm eine prächtig entwickelte Rotbuche um, deren Jahresringe auf mehr als 300 Jahre hinwiesen. Alle anderen heutigen Gehölze sind von 1830 oder spätere Neupflanzungen. Federführend für das Parkkonzept war nach Absprache mit Flemming und dem Großherzog Friedrich Franz I. der Hofgärtner Theodor Klett, im weitesten Sinne ein Schüler von Lenné. Es entstand ein Park nach englischen Vorbildern. Leitgedanke dabei war die Schaffung von geschwungenen Wegen, die den Augen von Klinikpersonal und Patienten ständig neue Blickrichtungen und Abwechslung bieten sollten, mit Blickfängen im Wasser kleiner Teiche und am Ufer des abschwingenden Hanggeländes zum weitläufigen Ziegelsee. Von der mittig gelegenen nach Südwesten ausgerichteten Eingangsterrasse des 180 m langen Klinikgebäudes und vom Balkon der Arztwohnung in der ersten Etage hatte man einen prächtigen Blick über den Ziegelsee und den dahinter liegenden Werderwald bis hin zum großen Schweriner See. Man spürt in solchem Entwurf den Aestheten Flemming neben dem weltoffenen und weitschauenden Architekten.

Abgesehen von der Erstbepflanzung um 1830 folgten etappenweise Neubepflanzungen, so nach 1900, nach 1930 und nach 1970. Neben der Anpflanzung von heimischen Gehölzen wie Linden, Buchen und Lärchen fanden von Anfang an wiederholt auch Exoten Platz, also eingeführte Bäume. Davon erhalten sind der heute etwa 180 Jahre alte Mammutbaum (Sequoiadendrum giganteum), der nebenbei erstmals 1998 fruchtete, etliche Lebensbäume (Thuja occidentalis und Thuja plicata), Scheinzypressen (Chamaecyparis laws.), Douglasien (Pseudotsuga menz.), Kolorado- (Abies conc.) und Hemlock- (Tsuga can.) -Tannen.

Nach dem Krieg wurden Privatgärten im Park angelegt und Bäume gefällt, da Brennholz ein begehrter Artikel zumal in den kalten Wintern war. Eine denkmalpflegerische Betreuung des Parkes schien über viele Jahre nicht möglich.

document image document image Der Park vom Ziegelsee aus gesehen. Links im unteren Bild das moderne Bettenhaus des ehemaligen Bezirkskrankenhauses Schwerin (heute HELIOS-Kliniken)

Der Park hat sein Aussehen in den letzten Jahrzehnten entschieden verändert. Die Privatgärten wurden entfernt, das Wasser des Schwanensees ausgetauscht. Durch Freilegung einstiger Sichtachsen und Beseitigung von Strauchwerk konnte das ehemalige englische Parkkonzept weitgehend wieder hergestellt werden, freilich gekoppelt an den Verlust zahlreicher Brutstellen für Singvögel. Das satte Rasengrün leuchtet heute zwischen den mehr solitär stehenden älteren Bäumen und gibt den Blick auf den glitzernden Ziegelsee an vielen Stellen frei. Die zeitweilige Idee, das seit einigen Jahren den Helioskliniken zugehörige Parkgelände vom Uferbereich durch einen hohen Zaun abzugrenzen, wurde wieder verworfen, dagegen ist ein offizieller Wanderweg entlang des Seeufers geplant. / Jürgen Maier

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